Einführung:

Die Bohrer wurden in Zusammenarbeit mit dem Dendrolabor des Deutschen Archäologischen Institut Berlin (Dr. Karl-Uwe Heußner DAI, Ref. Naturwiss, Im Dol 2-6, Haus IV,D-14195 Berlin) speziell für die besonders schonende Probenentnahme für dendrochronologische Untersuchungen an historischem Bauholz entwickelt.

Sie sind für den Einsatz in festen trockenen Holz konzipiert. In wie weit sich frisches Holz damit bohren lässt hängt von der Art und den jeweiligen Bedingungen ab. Bei nassen Holz gibt es Probleme mit der Spanabfuhr und es ist schneller mit einem Verkeilen des Holzkerns im Bohrer durch Aufquellen zu rechnen.

Es wird ein möglichst großer Kern aus einem möglichst kleinen Bohrloch angestrebt. Daraus ergibt sich, das die Schneidengeometrie im Grenzbereich liegt und mit entsprechendem Gefühl vorzugehen ist.

Es werden zur Zeit 2 Durchmesser angeboten:

·     Nennmaß 5mm Holzkern (4,8mm)

·      Nennmaß 7mm Holzkern (6,8mm).

 

Die Länge der Holzkerne liegt standardmäßig bei etwa 260 mm. Etwas längere oder kürzere Bohrer sind nach Wunsch lieferbar.

 

Einsatzhinweise:

Bei den relativ kleinen Kerndurchmessern führen Probleme in der Holzerhaltung durch Pilzbefall, Schädlingsfraß usw. schnell zu unbrauchbaren Kernen.

Es treten gelegentlich weiche Frühholzzonen oder auch Spannungen im Holz auf, so dass im Bohrer nur Spätholzplättchen ankommen. Hier hilft nur ein größerer Bohrkerndurchmesser (z.B. Standardbohrer 15mm Holzkern) oder die Säge. Wo kein Halt des Holzes mehr vorliegt ist auch kein geschlossener Bohrkern zu erwarten. Fremdkörper (Nägel, Steine usw.) im Holz führen sehr schnell ernsten Beschädigungen- oder Totalverlust des Bohrers und sind dringend zu meiden..

Das Dendrolabor des Deutsche Archäologische Institut benutzt diese Bohrer zur Erweiterung der Möglichkeiten gegenüber dem

Standardbohrer insbesondere in besonders sensiblen Bereichen wie:

· Hölzer im Sichtbereich,

· Innendecken,

· Türblätter,

· Bei besonders schwachen Balkendimensionen

· Bohlen, Bohren ohne verfügbare Stromquelle u.ä..

 

Durch die Wirkungsweise der Schneidengeometrie der Bohrer wird auch bei Bohrungen von Brettern und ähnlichem wenig Kraft in die Probe eingetragen. Im Gegensatz zum Zuwachsbohrer ist daher kein Längsaufspalten zu befürchten.

 

Die Bohrer sind zum Betrieb mit kräftigen Akku-Bohrmaschinen ausgelegt, mit stufenloser elektronischer Drehzahlregelung. Die optimale Drehzahl liegt zwischen 850 - 1250 1/min.

Für die Rückwärtsdrehung des Bohrers aus dem Bohrloch wird fast soviel Energie wie zum Einbohren benötigt. Deshalb auf volle Akkus achten bzw. verfügbaren 2. Akku bereithalten und nicht mit letzter Kraft noch einen Kern ziehen wollen. Etwas Fett/Bienenwachs kann sich günstig auf das Bohrverhalten auswirken.

Erfahrungsgemäß ist eher eine höhere Drehzahl besser, hängt aber von der Situation ab.

Das wichtigste beim Bohren ist Geduld, Geduld und nochmals Geduld. Jedes Holz ist anders und stellt eine neue Herausforderung an den Bohrer. Eiche ist nicht gleich Eiche. Liegen die Jahresringe enger ist Eiche weicher, als bei höheren Zuwachsabständen. Damit verändert sich auch das Bohrverhalten des Bohrers. Geht das Bohren anfangs schnell, scheint er im härteren Teil nicht mehr voranzugehen.
Das wichtigste ist, dass nun  kein zusätzlicher Druck auf den Bohrer kommt.  Das  führt zum Verbiegen und zum Bruch. Lassen Sie den Bohrer bohren und haben Sie Geduld. Leichter Druck reicht  und  konstante Drehzahl.
Bei der aktuellen Generation von Bohren wir das Herausziehen erleichtert,  wenn die Drehrichtung an der Bohrmaschine gewechselt wird (Linkslauf).
Bei harten Nadelholz ist die thermische Belastung sehr groß, dadurch das man durch harzreiche Regionen im Holz kommt und ein Verkleben droht. .
Sicherlich sind die Bedingungen im Dendrolabor nicht zu vergleichen mit Arbeiten draußen, wo man über Kopf arbeiten muss oder auf wackligen Leitern steht. Darum auch bei widrigen Umständen möglichst gerade durchbohren und Druck konstant halten, und mit der Drehzahl "spielen". 

Nach vorsichtigem Ansetzen soll glatt in einem Zug mit leichtem Druck gefühlvoll gebohrt werden. Beim 7 mm Modell kann regelmäßiges Entfernen der Späne die Bohrkernentnahme, insbesondere die Rückwärtstour, bei harten Hölzern erleichtern, erfordert aber entsprechendes Geschick. Wenn möglich sollte glatt durchgebohrt werden. Ansonsten bleibt der Kern meistens bei Bohrung über den Markbereich im Bohrer. Wenn nicht, kann bei 7mm ein kleiner Drahthaken helfen. Bei 5 mm Kernen ist es schwieriger. Manchmal, aber nicht immer, hilft die Zunge eines Zuwachsbohrers, oft auch ein gleiches Rohr, wie das des Bohrers (ohne Schneidkopf), mit einer kleinen Rückfangzunge an der Spitze.

Der Bohrkern soll nach dem Bohren nach hinten durchgeschoben werden. Eventuell herausstehende Stücken können am Einfachsten durch Aufdrücken auf die Holzoberfläche vollständig in den Bohrer gedrückt werden. Herausziehen der Bohrkerne nach vorn geht meistens schief. Danach kann der Bohrkern entweder zur Schonung der Schneiden mit einem Streichholz o.ä. ein Stück hinter die Schneiden geschoben werden oder gleich vorsichtig (empfindliche Schneiden nicht beschädigen!) mit einem Stab ca. 4mm Durchmesser nach hinten herausgeschoben werden.

Zur Sicherung und Lagerung der Bohrkerne sind Prismaschienen oder Röhrchen (Mallorcastrohhalm) zweckmäßig.

Der Schaft Æ10x40mm des Bohrers für das Bohrmaschinenfutter ist mit einer Industrieklebung am Rohr verbunden.

Sie ist etwas wärmeempfindlich. Beim mehrfachen Gebrauch ist hier auf etwas Abkühlung zu achten. Falls sich dieser Bereich doch zu stark erwärmt hat und durchdreht hilft abkühlen lassen. In schweren Fällen kann auch erneutes Einkleben hilfsweise, z.B. mit Sekundenkleber oder Epoxidharzkleber, notwendig werden.

Bei kleineren Schäden an dem Schneidkopf ist im begrenzen Rahmen ein vorsichtiges Nachschärfen möglich. Es ist dabei so sparsam wie möglich vorzugehen und strikt auf die Einhaltung der Winkelverhältnisse zu achten.

Vor Ort eignet sich dazu eine feine Diamant-Dreikantfeile Körnung D46

 

Natürlich sind alle für Maschinenwerkzeuge die üblichen Vorsichtsmaßnahmen und Arbeitsschutzmaßnahmen zu beachten.

Gegenüber Vollstahl-Bohrern besteht bei diesen hohlwandigen Kernbohrern erheblich höhere Bruchgefahr. Leeres Drehen bei hoher Drehzahl ohne Führung in einem Bohrloch ist zu vermeiden. Beim Bohren über Kopf besteht stets eine Gefährdung für die Augen durch herunterfallende Späne (Schutzbrille tragen!).

 

Viel Spaß bei der Benutzung der Bohrer

 

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